BIO BARF ist voll im Trend – doch wer trägt die Kosten?

Verbraucher kennen aus dem Supermarkt das sogenannte BIO-Siegel.

Trotz „Öko-Boom“ in den letzen Jahren – zurückzuführen auf ein gesteigertes Verbraucherinteresse und finanzielle und ideelle staatliche Förderung von Öko-Betrieben – ist der Anteil der „Nutztiere“ in ökologischer Haltung nur verschwindend gering. So sind lediglich 3,6% der deutschen Milchkühe, 0,6% aller Mastschweine und 0,9% der Masthühner „Öko-Tiere“, bei Legehennen liegt der Öko-Anteil bei 9,8% (Quelle: AMI, 2016).

Wer Lust auf Gesetzestexte hat, findet hier die Hintergründe und die gesetzliche Regelung: Verordnung (EG) 834/2007

Es gibt Regeln für die Bio-Zertifizierung

Die Bio-Tierhaltung sieht grundsätzlich für alle Tierarten eine artgemäße Tierhaltung vor – inklusive Auslauf oder Weidegang, dem Verbot von (ausschließlichen) Spaltenböden und Käfigen und von präventiver Antibiotika-Gabe. Je nach Tierart gibt es weitere spezifische Vorgaben wie beispielsweise bestimmte Einstreu, Sitzstangen, Staubbäder, schonende Beleuchtung, Wasserbecken, Wühlflächen usw. (Quelle)“

Wie weit die Verordnungen dabei gehen, ist unterschiedlich – je nach Tierart. Damit du ein Gefühl für die EU-Bio-Bedingungen bekommst, hier einmal das Beispiel für die Rinderhaltung:

  • Die Fläche im Stall beträgt je nach Tier-Alter 1,5 bis 5 m² zwischen einem Lebendgewicht von 150 – 350 kg, darüber mindestens 1 m² je100 kg Gewicht.
  • Auslaufflächen je nach Größe / Gewicht des Tieres mindestens 4,5m² jedoch min. 0,75m² pro 100kg Lebendgewicht
  • Mindestens die Hälfte der Mindeststallfläche muss planbefestigt sein (keine Spalten)
  • Jedes Tier braucht einen mit natürlichem Material eingestreuten Liegeplatz
  • Die Tiere brauchen min. 120 Tage im Jahr Auslauf auf einer Weide (das sog. Weiderind 😉
  • Auslaufflächen müssen zu mindestens 25% des Umfangs geöffnet sein, zumindest so weit, dass das Tier freie Sicht auf die Umgebung hat. Nur 10% der Auslauffläche darf kein Dach haben, der Rest schon. Nachgerechnet bedeutet das im „dümmsten“ Fall, dass eine Kuh eine Auslauffläche von 2x3m hat (6m²!!), die eine freie Sichtfläche (darf vergittert sein) von 2,5m hat, wie eine Art „Fenster“. Und 0,6m² haben kein Dach, sodass die Kuh auch mal gen Himmel gucken darf – das ist etwa die Fläche einer OSB-Platte aus dem Baumarkt.

Welche Verbesserung dies zum Tierwohl beiträgt, muss man sich selbst beantworten. Unsere Tiefkühlzelle hat ca. 6m² Fläche. Und wer da mal drin war, weiß, wie beengend die Zelle ist.

Rechtfertigt der fast doppelte Preis für Bio-BARF das Bio-Siegel?

Wir beziehen unser Fleisch aus der Lebensmittelproduktion, also ist die Menge der Bio-Produkte, wie oben gezeigt, noch stärker begrenzt, als die Produkte aus konventioneller Haltung. Das führt zu Kapazitätsproblemen bei Erzeugern und auch beim Händler – demnach zu einem höheren Preis. Man muss sich immer vor Augen halten, dass wir beim BARFen für den Menschen ungeeignetes oder nicht erwünschtes Material aus der Lebensmittelindustrie beziehen.

 

BIO Siegel für’s Frostfutter und Zertifizierung (und die Kosten!)

„Die Höhe des Verwaltungsentgeltes wird für den Kontrollbereich A (Landwirtschaft) nach Betriebsgröße und Mitarbeiteranzahl berechnet. Für die Kontrollbereiche B, C, D, E, H (Verarbeitung, Handel etc.) nach Mitarbeiteranzahlen und Menge der Produkte, die zertifiziert werden sollen.“ (Quelle)

Wir sind Hersteller von über 100 BARF-Produkten, die alle zertifiziert werden müssten.
Außerdem muss JEDER Vorlieferant zertifiziert sein. Da wir ausschließlich aus kleinen Betrieben in der Region kaufen, ist das für viele Händler ein nicht einzukalkulierender Kostenfaktor. Wir reden hier von vierstelligen Beträgen.

„Was in der konventionellen Nutztierhaltung für die Landwirte unerlässlich ist, nämlich hohe Bestandszahlen, um wirtschaftlich „produzieren“ zu können, gilt auch für „Bio-“ und „Ökobetriebe“. So ist auch ein Betrieb, der nach „Bio“- und „Öko“- Richtlinien“ arbeitet, kein idyllischer Bauernhof mit ein paar glücklichen Tieren, sondern auch hier findet man die gleiche Massentierhaltung mit Hunderten, Tausenden und Zehntausenden Tieren wie im konventionellen Bereich.“

Was ist jetzt besser für das Tierwohl? Ein zertifizierter Betrieb „nach Norm“, der wirtschaftlich hunderte Tiere bewirtschaftet oder ein kleiner regionaler Hof in Familienhand, der ~5-10 Tiere in der Woche schlachtet? Diese Frage lasse ich an dieser Stelle gerne offen.

Unsere Lösung: Fleisch aus gesicherter Herkunft, sofern sinnvoll und möglich.

Wenn es irgendwie möglich ist, kaufen wir bei Erzeugern aus der Region, die wir persönlich kennen. Bei uns werden Geschäfte noch klassisch per Handschlag besiegelt – echtes Handwerk, echte Handarbeit vom Erzeuger bis zum Endprodukt. Jeder wird verstehen können, dass in Sachsen-Anhalt relativ wenige Zebras und Krokodile gehalten werden 😉

Aber wenn man mal ehrlich ist: welchen Vorteil haben wir durch die Regionalität? Ganz einfach – wir sparen viele Kilometer, viel Arbeitszeit, die für’s Fahren drauf geht und viele Nerven. Außerdem können wir uns selbst von den Haltungs- und Verarbeitungsbedingungen überzeugen. Und da muss keine Zertifizierungsgebühr gezahlt werden, sondern es muss einfach ehrliches Fleisch geliefert werden, das UNSEREN Richtlinien bezüglich Qualität und Viehhaltung entspricht.

Und das ist der Grund, warum alle unsere Produkte das Carnivora-Siegel tragen dürfen – und kein BIO-Siegel brauchen.

Bio BARF Fleisch – pro und contra
Markiert in:        

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.